Warum haben wir es immer eilig?

Hallo, ich bin Josy und 34 Jahre alt. Ich komme aus Köln und ich schreibe heute einen Gastbeitrag. Ich freue mich sehr über diese Möglichkeit und auch über jeden, der mich auf meinem Blog besucht. Auf www.dasfraeuleinwunder.de schreibe ich über verschiedene Dinge, die ich getestet habe wie Accessoires, Bücher, Freizeitaktivitäten und verschiedene Themen, die mich generell im Leben beschäftigen.

Heute möchte ich Dir eine kleine Geschichte erzählen, die mir vor ein paar Wochen bei der Arbeit passiert ist. Ich arbeite als Kauffrau im Einzelhandel in einem Supermarkt in Köln. Dort erlebe ich zum Teil lustige Dinge, aber auch Dinge, die mich zum Nachdenken anregen.

Vor ein paar Wochen hatte ich eine ältere Dame mit einem Rollator an der Kasse stehen. Sie ist eine Stammkundin und verquatscht sich gerne auch mal. Natürlich bin ich nicht zum Quatschen auf der Arbeit, aber ältere Kunden sind unglaublich froh, wenn sie sich mit jemandem unterhalten können und ihren Spaß dabei haben 😊
Sie legte ihren Einkauf aufs Band und ich wartete bis sie sich mit ihrem Rollator zu mir begeben hat. Erst dann fing ich langsam an zu kassieren und währenddessen unterhielt sie sich mit mir über Gott und die Welt. Im Augenwinkel bemerkte ich, dass die Kundin hinter ihr etwas genervt guckte. Ich packte die Einkäufe der Dame in ihre Einkaufstasche und sie suchte nach ihrer Geldbörse. Sie kramte nach Kleingeld und ich half ihr dabei. Die andere Kundin wurde inzwischen immer hibbeliger und seufzte genervt. Ich schaute zu ihr rüber und fragte, ob es ein Problem gibt. Sie sagte, sie hätte es eilig. Ich erklärte ihr, dass sie sich noch einen kleinen Moment gedulden müsste, da die Dame noch beim Bezahlen ist. Daraufhin meinte die Kundin, die ältere Dame will doch sowieso nur qatschen und sie müsse schließlich ihren Bus kriegen. Ich war über diese Aussage etwas verärgert. Wenn sie es doch so eilig hat, hätte sie ja auch nicht in den Supermarkt gehen müssen. Wenn doch, muss sie das bisschen Zeit auch erübrigen. Ich sagte der Kundin, dass die Dame nicht gut zu Fuß ist und nicht umsonst ihren Rollator hat. Das war der Kundin schlicht weg egal…sie hätte ja schließlich auch nur ein Teil und ich könnte das ja schnell machen. Ich sagte ihr, dass sie sich nun leider gedulden muss, bis die Kundin zu Ende bezahlt hat und ich diesen Vorgang nicht einfach unterbrechen kann. Sie guckte total genervt und es ging ihr einfach nicht schnell genug. Die ältere Dame war dann schließlich fertig mit Bezahlen und ging langsam mit ihrem Rollator weiter. Sie bedankte sich bei mir und verabschiedete sich. Die nachfolgende Kundin pfefferte mir beim Bezahlen das Geld unfreundlich entgegen und verstand absolut nicht, warum ich der älteren Dame die Zeit gegeben habe, die sie brauchte, um ihre Geldbörse und ihren Einkauf zu sortieren. Ich erklärte ihr, dass gerade ältere Leute vieles vergessen und sie auch mal in das Alter kommen wird. Sie nahm das Rückgeld und drehte sich um, ohne sich zu verabschieden.
Nach diesem Vorfall war ich etwas baff und schüttelte mit dem Kopf. Merkwürdigerweise empfand kein anderer Kunde in der Schlange die ältere Dame als lästig oder so. Sie fanden eher, dass die andere Kundin doch recht unfreundlich war und ich richtig reagiert habe.
Den restlichen Tag dachte ich darüber nach und erzählte meinen Arbeitskollegen und später auch meinem Freund davon. Keiner verstand die Reaktion der Frau. Natürlich kann ich das auch irgendwie verstehen. Man hat es eilig und will schnell noch was einkaufen. Aber dann muss ich auch damit rechnen, dass es an der Kasse voll ist und ich etwas länger brauche als ich denke. Ich kann nicht erwarten, dass alle mir den Weg freimachen, nur damit ich meinen Bus noch bekomme.
Ich erlebe in meinem Beruf sehr oft Kunden, die es eilig haben und schnell ihre Einkäufe erledigen wollen. Wenn ich so darüber nachdenke, bin ich eigentlich auch keinen Deut besser. Ich habe es auch sehr oft eilig und das nicht nur auf der Arbeit. Durch dieses Erlebnis mit der älteren Dame versuche ich aber inzwischen mehr Verständnis für andere Leute aufzubringen. Ich erwische mich jedoch hin und wieder auch dabei, wie ich genervt gucke, wenn es mir nicht schnell genug geht. Das ist leider eine schreckliche Angewohnheit, die sich ganz langsam in mein Leben eingeschlichen hat und sich das wieder abzugewöhnen, ist gar nicht so einfach.
Ich versuche aber öfters, mir einfach die Zeit zu nehmen, die ich für bestimmte Dinge brauche. Manches braucht einfach Zeit, um zu funktionieren. Es heißt ja auch nicht umsonst: „Gut Ding will Weile haben!“ Und zuguterletzt solltest du auch das Entspannen nicht vergessen und dir auch einfach mal eine schöne Zeit mit dir selbst gönnen. Das können schon kleine Dinge sein wie ein Buch oder eine Zeitschrift lesen, eine leckere Tasse heißen Kakao genießen oder einfach auf der Couch vor sich hindösen.

Wie gehst du mit dem Thema Zeit und Hektik um? Lässt du dich schnell stressen oder bist du die Ruhe selbst?

Eure Josy

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1 Kommentar

  1. Ich glaube womit viele Menschen (ich eingeschlossen) nicht klar kommen, ist die Abhängigkeit. Du stehst in der Supermarktschlange und bist abhängig von anderen Menschen. In diesem Fall der Geschwindigkeit der Kassiererin. Danach kommt der Bus, von dem ist man auch wieder abhängig. Der Fahrer wartet nicht, wenn man zu spät kommt. D.h. die Dame muss sich nach ihm richten, diesen Druck gibt sie weiter. So geht es vielen Menschen immer und immer wieder. Das ist keine Entschuldigung dafür, es ist eine Erklärung. Denn das „Problem“, auf das sich dieser negative Stress zurückführen lässt ist die Weigerung Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu tragen.

    Wenn ich mich selbst als Opfer sehe, bin ich gleichzeitig ständig schlecht gelaunt, weil ich keine Kontrolle über die Situation habe und von anderen abhängig bin. Dann schiebt man die Schuld auf andere „ich verpasse den Bus, weil die alte Frau so langsam ist. Ich bin nur das Opfer, ich bin auch nur ein Spielball zwischen den großen Mächten. Der Busfahrer und die alte Frau und die Kassiererin haben sich alle gegen mich verschworen, um mir das Leben schwerzumachen“

    Die logische Antwort darauf wäre Eigenverantwortung zu übernehmen.
    Wenn man sich selbst klar macht, dass man GANZ ALLEIN dafür verantwortlich ist, was schiefgeht, dann hat man kein Recht sich aufzuregen. Die Frau selbst hat entschieden in den Supermarkt zu gehen. Sie hat entschieden, ihre Sachen nicht einfach zurückzulegen und den Laden zu verlassen. Sie hat entschieden mit dem Bus zu fahren, statt zu Fuß zu gehen. Das zu erkennen ist manchmal schmerzhaft, weil man dann keine Möglichkeit mehr hat die Schuld an andere zu übergeben. Man muss sich eingestehen, dass man es selbst verbockt hat.

    Das ist natürlich auch keine Universallösung. Es wird immer Dinge geben, für die kann man mit noch so viel Eigenverantwortung nichts. Dir fällt ein Dachziegel auf den Kopf und klar, du hättest nicht aus dem Haus gehen müssen… aber in dem Fall war es wirklich nicht Pech oder deine Schuld… Nur generell möchte ich sagen, dass sich negativer Stress vermeiden lässt, wenn man öfter die Verantwortung für Dinge übernimmt, die man tut.

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